Belgien/Spiennes und die Silex’s: Unter den Feldern des Hennegau verbirgt sich das Genie der Jungsteinzeit

Veröffentlicht am 18/08/2026 | La rédaction

Belgien

In der Jungsteinzeit graben Menschen irgendwo in dem Gebiet, das später zum Hennegau werden sollte. Mit bloßen Händen – oder fast. Ohne Metall, ohne Dynamit, ohne Maschinen. Nur Feuersteinspitzen, Tier Schulterblätter, die als Schaufeln dienten, und geflochtene Körbe, um das Aushubmaterial nach oben zu befördern. Sie stiegen in senkrechte Schächte hinab, in völliger Dunkelheit, mit Fettlampen. Und sie holen Feuerstein, den unverzichtbaren Rohstoff für die Herstellung ihrer Werkzeuge. Unglaublich? In der Tat. Vor 6.000 Jahren, unter den Feldern von Spiennes, sechs Kilometer von Mons entfernt, war eines der größten und ältesten Feuersteinbergwerke Europas in Betrieb. 2.000 Jahre Abbau. 150 Hektar Untergrund, ausgehoben, umgegraben, umgestaltet. Und heute kann man all das besichtigen. Entdecken Sie es in der Sendung „L’Agence tourisme“ auf RTBF La Première, mit Unterstützung von VisitWallonia.

Die Stätte von Spiennes steht seit dem Jahr 2000 auf der UNESCO-Welterbeliste. Im Jahr 2025 feierte sie ihr 25-jähriges Jubiläum seit dieser Aufnahme. Die Anerkennung gilt dem sogenannten „menschlichen Genie“: der Fähigkeit dieser Menschen der Jungsteinzeit, für ihre Zeit absolut verblüffende Techniken zum Abbau und zur Bearbeitung von Feuerstein zu entwickeln. Senkrechte Schächte, die bis zu sechzehn Meter in die Tiefe reichen. Horizontale Stollen, die sich in alle Richtungen verzweigen, um den Feuersteinaadern zu folgen. Ein schwindelerregendes unterirdisches Netz, das ohne Plan, ohne Ingenieur und ohne Schutzhelm entworfen und erschlossen wurde.

Und die Stätte ist gigantisch: 100 Hektar. Sie wurde fast 2000 Jahre lang, zwischen 4350 und 2300 v. Chr., betrieben. Feuersteinwerkzeuge aus Spiennes wurden in einer Entfernung von mehr als 140 Kilometern von den Minen gefunden – ein Beweis für einen bereits gut organisierten prähistorischen Handel. Spiennes war bereits vor 6.000 Jahren ein Exportzentrum.

Was die Ausgrabungen an dieser zum UNESCO-Weltkulturerbe gehörenden Stätte zutage gefördert haben

Die Ausgrabungen an dieser Stätte dauern bis heute an. Und jede Ausgrabungskampagne liefert neue Artefakte, die unser Verständnis dieser prähistorischen Gesellschaften bereichern. Das Erstaunliche daran ist, dass von diesen 100 Hektar bisher nur 500 Quadratmeter ausgegraben wurden. Man weiß also noch fast nichts darüber, was unter diesen Feldern schlummert.

Unter den bereits gemachten Funden sticht einer besonders hervor: das Skelett einer erwachsenen Frau, das mittels Radiokarbonmethode auf die Zeit zwischen 3360 und 3030 v. Chr. datiert wurde. Sie lag dort, unter unseren Füßen, seit mehr als 5000 Jahren. Und ihre Anwesenheit in den Tiefen des Bergwerks sagt etwas Wichtiges aus: Es war nicht nur eine Männerwelt. Auch Frauen stiegen hinab.

Das „Silex’s“: das Besucherzentrum

Um all das zu entdecken, gibt es das „Silex’s“, das Informationszentrum am Eingang der Stätte. Eine interaktive Ausstellung zeichnet die Geschichte der Steinbrüche von Spiennes nach, beleuchtet die Abbauverfahren und vermittelt Einblicke in das Leben der Menschen der Jungsteinzeit. Nachstellungen, authentische Gegenstände, klare Erklärungen, die für alle Altersgruppen verständlich sind. Anschließend kann man einen Spaziergang über das Freigelände machen, über den Schächten entlanggehen und nachempfinden, wie es sich anfühlt, dort zu sein, wo alles begann. Und der Höhepunkt des Besuchs findet zehn Meter unter der Erde statt, in Begleitung eines Führers. Man zieht eine Schutzkleidung an, klammert sich an die senkrechte Leiter und steigt hinab. In die Dunkelheit, in die Feuchtigkeit, in die Stille.

Quelle: rtbf.be


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