Schweiz/Bunte Abfallbehälter im Kampf gegen das Wegwerfen von Müll
In der Schweiz gehen lange Sommerabende oft mit Littering in den Parks einher. Die IGSU stellt fest, dass das Wegwerfen von Abfällen auf Faktoren wie Alkohol, Anonymität und eine bereits verschmutzte Umgebung zurückzuführen ist.
Die Feste an langen Sommerabenden haben in Parks oder anderswo oft eine unangenehme Begleiterscheinung: das Wegwerfen von Müll. Die Interessengemeinschaft für eine saubere Umwelt (IGSU) gibt einen Einblick in die psychologischen Mechanismen, die hinter dem Wegwerfen von Müll stehen.
Was veranlasst Menschen dazu, Abfall auf öffentlichen Plätzen wegzuwerfen?
Es gibt nicht nur eine einzige Hauptursache, sondern eine Kombination verschiedener Faktoren. Bequemlichkeit, mangelndes Problembewusstsein, Gewohnheit, Gleichgültigkeit oder auch der Wunsch, zu provozieren, spielen eine Rolle. Oft ist der Kontext entscheidend: Gruppeneinfluss, Alkoholkonsum, Dunkelheit, bereits weggeworfener Müll oder fehlende soziale Kontrolle begünstigen dieses Verhalten.
Inwieweit beeinflusst eine bereits mit Müll übersäte Umgebung das Verhalten?
Die Umgebung übt einen offensichtlichen Einfluss aus. Das Vorhandensein von Abfall auf dem Boden signalisiert, dass das Wegwerfen von Müll an diesem Ort üblich ist, was zu weiteren Abfällen führt. Umgekehrt stärkt eine saubere Umgebung die Norm, die zu einer ordnungsgemäßen Abfallentsorgung führt. Eine regelmäßige Reinigung ist daher unerlässlich, auch wenn sich deren Wirkung nicht genau quantifizieren lässt.
Gibt es bestimmte gesellschaftliche Gruppen, die eher zum Littering neigen als andere?
Nein, dies lässt sich nicht bestimmten Bevölkerungsgruppen zuordnen. Der Kontext spielt eine größere Rolle: Nachtleben, Freunde, Alkohol, das Gefühl der Anonymität und die Art des Ortes (z. B. Picknickplätze, die Umgebung von Imbissbetrieben oder Straßen). Die IGSU konzentriert ihre Massnahmen daher eher auf diese sensiblen Orte als auf bestimmte Altersgruppen.
Welche Arten von Produkten werden weniger leicht als Abfall wahrgenommen?
Falsche Vorstellungen beeinflussen das Verhalten. Zigarettenkippen beispielsweise werden manchmal aufgrund ihrer geringen Größe oder der falschen Annahme, sie seien biologisch abbaubar, als harmlos angesehen. Das grundlegende Problem liegt jedoch im Verhalten und nicht im Material: Eine in einem Stadtpark zurückgelassene Bananenschale ist nicht weniger störend als Plastikmüll.
Wie rechtfertigen die Täter aus ihrer Sicht ihr Verhalten?
Durch typische Rationalisierungen wie die Abwälzung der Verantwortung („Es gibt nicht genug Mülleimer“), die Verharmlosung („Das macht doch jeder“), die Verharmlosung („Es gibt weitaus schlimmere Giftstoffe“) oder das Argument, dass die öffentlichen Reinigungsdienste ohnehin aus Steuergeldern finanziert werden.
Was sind die wirksamsten Maßnahmen gegen dieses Phänomen?
Auf die Situation zugeschnittene Anreize, ähnlich wie „Nudges“, wie zum Beispiel Pfeile, die auf Mülleimer hinweisen, witzige Slogans, Mülltrennungsstationen oder spielerische Vorrichtungen, haben in verschiedenen Studien zu einer Reduzierung des Litterings um 31 bis 38 % geführt. Eine Kombination aus persönlichen Gesprächen zur Sensibilisierung und humorvollen Mülleimern ist die wirksamste Maßnahme. Damit lässt sich das Problem um fast 50 % reduzieren. Entscheidend ist, dass kontinuierlich ein Maßnahmenpaket umgesetzt wird, anstatt nur punktuelle Aktionen durchzuführen.
Wie sollten die Abfallbehälter gestaltet und aufgestellt werden?
Sie müssen gut sichtbar, leicht zugänglich, benutzerfreundlich und in der Nähe des Ortes aufgestellt sein, an dem der Abfall anfällt. Leuchtende Farben und Aschenbecher in einem Umkreis von weniger als sechs Metern fördern ihre Nutzung.
Wie wirksam sind Bußgelder?
Sie setzen eine klare gesellschaftliche Grenze, doch ihre Durchsetzung ist schwierig, da der Verstoß erst festgestellt werden muss. Am wirksamsten sind sie, wenn sie mit einer geeigneten Infrastruktur, Sensibilisierungsmaßnahmen und „spielerischen“ Ansätzen kombiniert werden.
Welche Botschaften wirken am besten: solche, die Schuldgefühle wecken, oder solche, die positive Normen hervorheben?
Positive, humorvolle und höfliche Botschaften erzielen bessere Ergebnisse. Ein Experiment an Bahnhöfen hat gezeigt, dass humorvolle Plakate (-58 %) und solche mit Umweltbezug (-64 %) das Littering deutlich stärker reduzierten als autoritäre Aufforderungen.
Wie lässt sich der Erfolg von Anti-Littering-Maßnahmen langfristig messen?
Es ist praktisch unmöglich, dieses Problem umfassend zu messen. Die IGSU führt jedes Jahr Umfragen zur Wahrnehmung in der Bevölkerung durch. Während im Jahr 2015 noch 25 % der Befragten das Littering als «wichtig» oder «eher wichtig» einschätzten, sank dieser Anteil bis zum Jahr 2025 auf 12,5 %.
Hat das wilde Wegwerfen von Abfällen im Laufe der Zeit zugenommen?
Ja. Die zunehmende Mobilität, der Anstieg von Essen zum Mitnehmen und die intensive Nutzung des öffentlichen Raums führten Ende der 1990er Jahre und insbesondere in den 2000er Jahren zu einem Anstieg des Litterings.
Quelle: www.blick.ch


